"Perplex" ist ein skurriles
Evolutionsprodukt – allein schon die Geschichte der Pseudozeitungen ist
ein Schrammen am Rande des Unwahrscheinlichen, und diese
Hammer-Sonderstellung nun von "Perplex" als einziger weltweit noch
existierender Pseudozeitung... nötig war das nicht, aber staunenswert ist
es.
Es gibt Themen in den letzten
Nummern von Perplex, bei denen Pseudos einsteigen können. Diese Themen
sind verrückt, kunstvoll, gesellig, politisch und schön - auf einem Level,
das eben hausgestrickt, handgemacht, amteurhaft ist und nicht gewerblich,
journalistisch oder professionell. Und es gibt daneben kleingedruckte
persönliche Debatten, Schritt für Schritt, Themchen für Themchen, mit dem
einmaligen Retro-Charme von Perplex, dass jeder Debattenschritt einen
Monat braucht.
Eigentlich meine ich, dass wir
heutzutage neue Mitschreiber gewinnen könnten, weil PP das ist, als was
die Schallplatte sich nun bei einem Marktanteil von erstaunlichen 7
Prozent unter den Tonträgern erweist. Also PP ist retro, und retro hat
einige Zukunft.
ABER angenommen, wir würden werben, mit Anschreiben an
Journalisten, mit einem Youtube-Trailer, jetzt 2018, wo Perplex 30 Jahre
schon existiert... Du kannst nicht kalkulieren, wie viele Menschen du
wirbst, welche schlafenden kommerziellen Hunde du weckst.
Das aktuelle
Perplex-System klappt womöglich nur mit der Kleingruppe. Perplex bei der
Nummer 100, 14-tägig erscheinend mit 60 Seiten, mit Pseudozahlen, die
formal mal die Hundert erreichten - das waren Grenzen des Wachstums einer
letztendlich anarchistisch organisierten Zeitschrift.
"Liebe Unbekannte." Diese Anrede
findet man derzeit auf vielen Werken in der Gedok Galerie in Schöneberg.
Denn die Ausstellung "Kunstpoststelle" zeigt Postkarten von Künstlern,
adressiert an die Besucher der Galerie. Diese zu gestalten, erzählt
die Kuratorin, sei eine alte Tradition in der Kunst. "Die Karten
erzählen ganz Persönliches aus dem Leben des Künstlers. Gleichzeitig sind
sie aber auch stets Dokumentation seines Schaffens." - Also Perplex lässt
sich so gesehen auch als eine Sammlung von Postkarten beschreiben.
1 Q-Pong = 1 Kunst- oder Tratsch-Postkarte.
Gebe ich „Postkartenkunst“ in die
Suchmaschine, kommt Passendes:
https://www.morgenpost.de/kultur/article208047085/Postkartenkunst-Ein-modernes-Blind-Date.html.
Ein Buch ist für mich ein tolles
Medium. Nur eben frisst sein Schreiben viel vom Leben im Anschluss ans
Erleben.
Für mich liegt der Reiz der neuen digitalen Medien darin, dass man
halbwegs in Echtzeit zum eigenen Dasein auch von sich berichten kann,
soweit man den Bedarf hat. Mann kann nun versuchen, sich keine Hypothek
für die eigene Zukunft aufzubürden "Du willst-solltest-musst noch über
dein vegangenes Erleben berichten".
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In unserer Zeitschrift "Perplex"
sehe ich Chancen für Rubriken, wie sie kein normales Käsblatt einrichten
würde:
"Plauderecken",
"Ansichts-Inseln",
"Spruchblasen" und
"Provinzlyrik".
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Das von mir angebotene Perplex-Shirt-Logo stammt von der
Musik-Band "Perplex", die 1982 eine Schallplatte herausbrachte, auf der
schallplattengroß dieses Logo prangte. Die Gruppe hat Musik der "Neuen
Deutschen Welle" gespielt. Diese Musik habe ich auf Schallplatte gesammelt
(als sie 1983/84 verramscht wurde, und später auf Flohmärkten) und sitze
möglicherweise gemeinsam mit Ebu aus Frankfurt auf dem größten Schatz an
NDW-Platten.
Einige Monate vor der größten Jubiläumsparty der
Pseudozeitung "Perplex" überhaupt, vor der Nummer "100" mit etwa hundert Pseudos, gab ich zwanzig T-Shirts mit diesem Logo in Auftrag und reichte
sie im Rahmen der Party zum Selbstkostenpreis weiter. Zwei Shirts sind bei
mir verblieben - eines vollgeschrieben mit Pseudonamen, eines noch im
Ursprungs-Zustand - das trug ich einen Tag lang auf dem Stausee-GT 2017.
Die Druckvorlage lässt sich aus dem Plattencover erneut erstellen, aber
ich meine: Bleiben wir beim Spray-Logo, und das T-Shirt-Motiv war mal ein
Gag.
Willste aus dieser Seite
rausspringen ohne zurückkehren zu können? Obiges Foto gibt es auch auf
http://www.pseudozeitung.de/gtfossil.htm
Wann stieg ich ein bei "Perplex"?
Nach dem Anhören der Radiosendungen
von 1989 über das damals explodierende Pseudo-Wesen - Nidoricapus schickte
sie mir 2018 - habe ich energisch in
meinen Unterlagen gewühlt. Nicht die frühen Nummern von PP fand ich - die
müssen schon auch irgendwo sein - aber eine Fotokopie meines vermutlich
ersten Beitrags: Damals der einzige mit Schreibmaschine zwischen lauter
Handgeschriebenem, als „ Nemo“, PP 11 vom November 1988:
„JENSEITS VON GUT UND DUMM
Ich denke manchmal sinnloses Zeug.
Aber nicht immer. Ich will das sinnvolles machen. Mir wird nichts
sinnvolles geboten. Ich erfinde ein paar Aufgaben. Ich kriege kein Geld
dafür. Geld ist so sinnlos. Aber Tauschverkehr klappt nirgends mehr. Das
Gekaufe und Gelaufe und Geschnaufe ist so sinnlos. Alle sind so blöd. Ich
bin nicht ganz so blöd, aber das nützt mir nix.“
Grins. Eigentlich habe ich diesem
Text auch 29 Jahre später nichts hinzuzufügen :-)
Mein Pseudonym „Nemo“ habe ich 1979
aus einem Projekt meiner Abitur-Klasse heraus gewählt. Also einer aus der
Klasse hatte ein Hörspiel, in dem ein "Nemo" vorkam, und dessen Rolle
sprach ich. Sollte sowas wie ein „Ahasver“ sein, ein ruheloser Wanderer.
In dem Sinne hat ja auch Jules Verne den Namen vergeben. First time in history war es dann Odysseus, auch so ein Wanderer, der sich laut Homer in
der lateinischen Übersetzung als „Nemo“ bezeichnete.
Mein Pseudonym " Nemo"
dann war für
Auftritte als Musiker über ein paar Jahre hinweg nötig. Weil es gibt den
Pantomimen "Nemo", und ein Engagement hatte ich aufgrund der
Namensverwechslung, sorry. Das sind aber Probleme aus dem letzten
Jahrtausend.
Die Sache mit "Nemo" würde mich
natürlich reizen :-) Also ein paar Räume, die im Inneren eines U-Boots
liegen, und rausgehen in die Normalwelt nur in Taucherkleidung :-))
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Die Aufteilung der Perplexe anhand
derjenigen, die Layout machen, ab etwa Nummer 150 in "Pränidorium", "Nidorium"
und einer möglichen Hinzunahmen der "Wonzlingzeit" ab 590 sowie auch die
"unscheinbare Ausnahme" finde ich zum Krümeln. Der Anfang von Perplex
sollte zu Ehren des verstorbenen Gründers von Nummer 0 bis 150 dann aber
bitte als "Anaganikum" in die Analen eingehen.
„Anaganikum“ - die Anfangszeit des
Perplex-Layouts - soll zu EHREN von Anagan so genannt werden. Anagan war
ab etwa Nummer 30 umgeben von Helfern. Er saß eher neben den Layoutern und
laberte sie zu. Aber er hatte ein anarchistisches Konzept für PP. Nämlich
das hier, das uns vorbei an Momenten größenwahnsinniger Pseudos ("Cater
Carlo") bis jetzt auf Linie hält.
Was ich in unserer Gruppe gut finde,
ist das Fehlen von internen Gemeinheiten derzeit. Wir stecken mit "Perplex" im
Wasserglas seit langem. Da lohnt das Stürmen nicht.
Der Freundin von Anagan - nennen wir
sie "Puppina" - gehörte ein Verbund von Appartements mitten in Stuttgart.
Die Zimmer, die ich sah, waren alle bis an die Decke voll mit
Puppenstuben. Skurrile Frau also, vermutlich mit der größten Sammlung von
Puppenstuben weltweit. Zweimal habe sie Teile der Sammlung für
Ausstellungen an Museen gegeben, erzählte sie mir, darunter einmal das
Deutsche Museum München - und jedesmal wurden ihr Inhalte aus den
Puppenstuben geklaut. Daraufhin begann sie, über ihren Schatz zu schweigen
– Cornelius Gurlitt lässt grüßen. Puppina hatte eine Tochter, und ich
vermute vom Erbrecht her, dass selbige mittlerweile auf den Puppenstuben
sitzt – und schweigt. Aber ich weiß da nichts und will es auch nicht
wissen. Die Story an sich finde ich wow.
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Bei PP 613 erlebte ich als Layouter
drei Typen von Einsendern:
1. Gleich bei Eintreffen lesen,
dabei Kommentare gleich tippen, und ab die Post wenige Tage nach Erhalt
(nur ich mache das offenbar oft)
2. Irgendwo gemütlich in der Mitte
zwischen Erhalt und Einsendeschluss
3. Ziemlich kurz vor knapp
Im aktuellen PP 627 fallen mir fünf
Gruppen der Schreiber auf:
1. Der Niemals-Schreiber - ja, wir
haben einen Abonnenten, der offenbar nicht liest, sondern nur sammelt.
2. Die Kaum-Schreiber - zwei Pseudos
3. Die Wenig-Schreiber - drei
Pseudos
4. Die Ungefähr-Eine-Seite-Schreiber
- drei Pseudos
5. die Vollgas-Schreiber - vier
Pseudos
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Die Perplex-Homepage will statisch
sein und nach außen gerichtet, während Perplex fließt und nach innen
gerichtet ist.
Ziel der Perplex-Homepage ist nach Möglichkeit nichts,
was ins PPPP (Papier-Perplex) passt. Dinge, die bunt sein wollen, Medien,
die auf Papier nicht gehen, Inhalte, die Mitmenschen über das Netz werben,
und vielleicht Vergangenheitspflege sind das Thema von
www.pseudozeitung.de .
Zur zeitweisen Abwesenheit von
www.pseudozeitung.de : Unsere Homepage wurde friedlich betreut vom
deutschen Provider Loomes. April 2017 kam der gut zahlende Provider „Go
Daddy“ aus den USA und übernahm alles von Loomes. Den Loomes-Kunden mailte
er, dass vorübergehend alles beim alten bliebe. Aber nicht mal dieses
„vorübergehend“ stimmte. Ich erhielt undurchsichtige Rechnungen und die
Ankündigung einer 2,5-fachen Preissteigerung ab April 2018. Tja, da habe
ich die Seite zum Provider 1blu weiter wandern lassen, wo sie zu ungefähr
bisherigen preiswerten Kosten zu finden ist. Bei diesem Vorgang war sie
bis zum 7.11.2017 etwa einen Monat lang offline.
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Im Internet tummeln sich eine
Million mal mehr Pseudos, also Menschen, die unter Pseudonymen miteinander
reden, als in unserem Papier-Relikt "Perplex".
Eine Facebook-Dependance von Perplex
ist ein Schuss, der nach vorne losgehen könnte. Schrägerweise hat Perplex
angesichts der neuesten sozialen Strömungen in der Ersten Welt ja
Aussichten auf ein Revival:
„Zeit zum Tratschen. Zwölfmal im Jahr. Auf
Papier.“
- das haut in die Kerbe der Entschleunigung und der Verwendung
von Retro-Technik (--> Vinylplatten; Steampunk-Bewegung). Wir sollten halt
im Auge behalten, dass die Regel „Paper rules“ gilt: „Im
Zentrum unserer Bemühungen steht das Erscheinen der Papierzeitung“
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Wenn je ich auch so´n Cover von
"Perplex" mal bestimmen darf, möchte ich, dass da vorne „Nichts“ steht.
Jaja: Das nächstbeste Pseudo wird
mit „Alles“ kontern. Und beide haben wir recht. Und die Wahrheit wabbelt
in der Mitte. Was ein drittes Pseudo dazu anregen könnte, sich als
PP-Cover „Mitte“ zu wünschen, dem natürlich ein Cover namens „Rand“
- bitte an den Rand geschrieben - folgt. Dann gäbe es noch „rund“ gegen
„eckig“....
.... und die Sahnehaube wäre dann ein
Apfelmännchen. Was das ist, wissen alle hier? Die Gesamtschau des Mandelbrot-Fraktals. Was das ist, wissen alle hier? Das unglaubliche
endlose und doch begrenzte Bild der Verdröselung, All-Gestaltung... was
uns zurückbringt zum „Alles“, dem dann eben doch mein „Nichts“
entgegenkichert:
Der Apfelmann: Das unendlich
selbstähnliche Wesen. Jetzt nennt es nicht Gott. Es ist Mathematik.
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